OB-Wahlkampf
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„Speed-Discussion“ auf dem CSD

Der Christopher Street Day in Köln ist bunte Veranstaltung und Politikum in einem. Für das Bunte sorgen tausende Besucher, um den politischen Teil kümmert sich der Veranstalter KLuST.
In diesem Jahr verwandelte sich die Bühne des CSD in ein temporäres Schlachtfeld des OB-Wahlkampfes. Was als innovatives Format angekündigt war, entpuppte sich jedoch schnell als Scripted Reality.

„Fragen kommen aus der Community – sie sollen von den beiden Kandidat_innen kurz, knapp und auf den Punkt gebracht beantwortet werden“, versprach der KLuST auf seiner Homepage.
Leider nannte die Moderatorin nicht, wer die Frage gestellt hatte. Außerdem war dem aktiven Beobachter, der nicht den EXPRESS liest, spätestens nach der zweiten Runde klar, dass die Fragen den Kandidaten vorab bekannt waren. Folglich leierten Ott und Reker ihre fleißig auswendig gelernten Antworten runter. Dafür hatten sie jeweils 90 Sekunden Zeit, was der „Clou“ dieser Diskussion sein sollte.

Keine Ahnung, wer auf die Idee gekommen war, das könne beim CSD gut funktionieren.

Das Interesse manifestierte sich in einem großen Loch im Publikum. (Das konnte auch mit dem nahenden Gewitter zu tun haben, siehe Titelbild)

Liebend gerne hätte man gesehen, wie die Kandidaten spontan auf die politisch-gefrusteten Fragen der Anhänger der freien Liebe geantwortet hätten. So einigten sich Ott und Reker auf eine „Diskussion“, die in Wirklichkeit ein wechselseitiges Betonen ihrer bisherigen Verdienste für die Community war.
Henriette Reker fiel der Auftritt auf der großen Bühne sichtlich schwerer als Ott, der entspannt scherzhafte Gesten mit dem Publikum austauschte. Ott ist unstrittig der bessere Redner, schade nur, dass er nicht aus Rolle des Parteipolitikers ausbrechen kann.

Jochen Ott

Reker trat mit kämpferischer aber dünner Stimme auf, die nicht immer zu den Menschen vor der Bühne durchdrang. Deren Aufmerksamkeitsspanne war bei 35°C und durchschnittlichen vier Bier intus ohnehin leicht eingeschränkt.

Fazit: Die Cologne Pride ist immer auch ein Politikum. Allerdings drängt sich nach der „Speed-Discussion“ die Frage auf, ob die große Bühne des CSD der richtige Ort ist für Wahlkampfauftritte. Zwei Kandidaten müssen sich vor einem Publikum nicht künstlich miteinander streiten, wenn sie sich im Grunde einig sind, was die Förderung der Vielfalt Kölns betrifft.

Betrachtet man die dreitägige Cologne Pride, präsentierte sich Reker insgesamt besser. Am Info-Stand der Grünen bekam ich auf Nachfrage Aloha-Blumenketten mit Regenbogen-Reker Anhänger. Während des Umzugs (Reker fuhr in einer Gondel mit körperbetonten Gondolieren) verteilte sie die Ketten, die später vor der Hauptbühne und in der Altstadt an vielen Hälsen zu sehen waren. Am Stand der Grünen verwickelte mich außerdem ein_e Grüne_r in ein ungewöhnlich ehrliches Gespräch über die Situation der Grünen in Köln und gab mir eine Infobroschüre und „Reker-wählen-Buttons. Gewöhnungsbedürftig bleibt die neue Nähe zwischen FDP und Grünen (beide übertstützen Reker als Kandidatin) die Anhängern aus beiden Lagern missfallen wird.
Beim SPD-Stand durfte ich mir eine Postkarte aus einem Pappkarton nehmen. Weitere Informationen über Ott solle ich „im Internet“ suchen.

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