OB-Wahlkampf
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Die Kandidaten auf wikipedia.org

Auf der Liste der meistaufgerufenen Internetseiten in Deutschland ist die Schwarm-Enzyklopädie auf Platz 6. Ein persönlicher Wikipedia Artikel ist die Teilnehmer-Urkunde der Bundes-Bedeutungs-Spiele und ein wichtiges Online-Zeugnis der Relevanz.
Für eine Wikipedia-Analyse war ich auf den Seiten von Henriette Reker, Jochen Ott und Mark Benecke. Der parteilose Marcel Hövelmann erfüllt die Relevanz-Kriterien für eine eigene Seite  bisher nicht. Liliana Matthäus schon.

Über die Auslegung der Kriterien kann man streiten. Klar ist, dass es für Marcel Hövelmann ein großer Nachteil ist, keinen eigenen Wikipedia-Artikel zu haben. Denn Wikipedia ist erstes und oft einziges Einfallstor zu personenbezogenen Informationen im Netz.

Auswertung der Abrufstatistik

Wie oft klickten User die Artikel unserer Kandidaten an? Wie groß ist das Interesse an ihnen?
Am Ende jedes Artikels führt ein kleiner unscheinbarer Link zu der Abrufstatistik. Schlichte Balkendiagramme verraten uns wie groß das Interesse an Reker, Ott und Benecke auf Wikipedia ist.
Bei den Besucher-Zahlen liegt Dr. „Made“ Benecke mit großem Abstand vorn: durchschnittlich 306 User rufen täglich seine Seite ab. Sein Auftritt beim Neo Magazin, den er auch für Wahlwerbung nutze, provozierte die beiden höchsten Balken in der 90-Tage Auswertung. Die Sendung mit Jan Böhmermann wurde ab dem 28. Mai in der Mediathek und am 29. auch im linearen Hauptprogramm vom ZDF ausgestrahlt. An diesen beiden Tagen klickten 1248 und 1338 Zuschauer Beneckes Wiki-Artikel an. Ein ordentlicher Auftrieb für seinen Wahlkampf.

Rekers und Otts Seiten erreichen deutlich weniger Menschen. Beide Artikel werden durchschnittlich 17 mal pro Tag abgerufen.
Auch wenn Ott und Reker nicht im Neo Magazin aufgetreten sind, gibt es in ihren Balkendiagrammen zwei krasse Ausreißer. Der Tag der Neuauszählung des Wahlbezirks Rodenkirchen (19. Mai) ist bei beiden Kandidaten Platz eins in der Abrufstatistik.

268 Menschen informierten sich an diesem Tag mit Wikipedia über Jochen Ott. Interessant ist: an diesem Tag schauten noch mehr Leute (331) auf der Seite seiner Herausforderin Henriette Reker vorbei.

Die Neuauszählung hat Ott geschadet, weil er seinen Sitz im Rat verloren hat. Vor allem hat sie aber Reker, die Ott zu vor als „Phantom“ bezeichnete, geholfen die Schwelle der Relevanz hinter sich zu lassen.

Wahlkampf bei Wikipedia

Außerdem versuchte ein offensichtlich Reker-naher Wiki-Autor die Plattform für den Wahlkampf Zweck zu entfremden.
In der Versionsgeschichte von Rekers Artikel finden sich z.B. diese schmeichelnden Zeilen:

„Henriette Reker bezeichnet sich gern als passionierte Kölnerin. Ihre Passion begründet sich auf – wie Reker sagt: „die Liebe zu unserer Kathedrale und den romanischen Kirchen ebenso wie auf die Art Cologne, die ich besuche seitdem die Ausstellung auf dem Neumarkt stattfand, sowie auf die Philharmonie, die ich aufgrund der Nähe zum Hauptbahnhof von allen nordrhein-westfälischen Wohnorten gut erreichen konnte.“

Oder:

Henriette Reker will einen „Gegenentwurf zu einer parteipolitisch gesteuerten Verwaltung“, gemeint ist das Ende einer Personalpolitik bei der nur SPD-Mitglieder Positionen in der Stadt einnehmen konnten.“

Beide Passagen löschte ein User mit dem Statement: „Ne, so geht das nicht. Gewinnen Sie ihren Wahlkampf bitte auf der Straße, nicht in der WP. Kopfschüttelnd, CC“
Übrigens: Die IP Adresse des Schmeichel-Autors führt in die Kölner Innenstadt.

Fun Wiki-Facts am Schluss:

  • Beneckes Artikel ist erwartungsgemäß der relevanteste. Sein Artikel wurde bereits 2004 erstellt und ist mit 985 Wörtern mehr als doppelt so lang wie die von Reker (342) und Ott (357). Außerdem ist Beneckes Artikel auf Englisch, Spanisch, Französisch, Luxemburgisch und Rumänisch verfasst. Die Vielzahl der Sprachen spiegelt die internationale Prominenz Beneckes. Auch wenn Otts und Rekers Seite „nur“ auf Deutsch zu lesen ist, wird es für diese Lokal-Wahl kein Nachteil sein.
  • Mark Benecke ist selbst als Wiki-Autor registriert.
    Die Artikel über Miorița, Elesde, Pörkölt und Dudeismus stammen u.a. von ihm.
    Auch an einigen Änderungen in der langen Versionsgeschichte seines persönlichen Artikels hat Benecke himself mitgearbeitet.
    Etwa:

„Bitte lasst meinen Geburtstag gelöscht, man kann damit leider zu viel Unsinn anstellen. Bitte um Datenschutz. Ich gebe das Datum grundsätzlich nicht raus. Danke! Mark Benecke“

  • Auch über den OB-Kandidaten der AfD Hendrik Rottmann gab es mal einen Wikipedia-Artikel. Er erfüllte laut Wikipedia die Relevanzkriterien nicht, folglich wurde der Artikel gelöscht.
    Im Anschluss beantragte Rottmann über seinen Wikipedia-Account „ Hero3105“, dass auch Rekers Artikel gelöscht werde. Reker sei nicht bedeutend für die Landespolitik in NRW. Das Ende der Geschichte: Rottman schaffte es zum ersten Mal als OB-Kandidat in den Express. Rekers Wiki-Artikel gibt es immer noch. Hero3105 ist seit dem 23. April als Benutzer gesperrt.

1 Kommentare

  1. Hallo Frau Haack,
    ein sehr interessanter Artikel zum Thema. Vorerst muss Wikipedia dann wohl weiterhin ohne mich auskommen, aber womöglich erfülle ich ja ab dem 13.9. ein kommunales Relevanz-Kriterium.

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