OB-Wahlkampf
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Natürlich kann plakatiert werden

Jetzt ist es so weit, Köln ist temporäre Werbetafel des Wahlkampfs. Seit Freitag 15 Uhr hängen Unterstützer die Poster ihrer Kandidaten an Laternen auf. Eine gute Gelegenheit den Sinn des Wahlkampf-Evergreens zu hinterfragen.

Bei einer stichprobenartigen Fahrradtour bin ich am Freitag zwei Teams von Jochen Ott begegnet. Während der SPD-Mann noch im Urlaub ist, plakatierten seine Unterstützer u.a. die Severinsstraße rauf und runter. Auch am Eigelstein traf ich gutgelaunte Ehrenämtler auf Leitern. Die Motivation der Unterstützer auf der Straße lässt sich nicht anhand Retweets oder Likes messen. Im Angesicht der Feinbild-Allianz aus CDU und FDP wird die Motivation des SPD-Teams aufblühen wie die Rose in der Hand der JuSos.

Rekers Plakatierer habe ich nicht gesehen. Allerdings waren bereits um 16 Uhr Rheinpromenade und Südstadt mit der Frontalansicht der Sozialdezernentin behängt.

Von den kleinen Kandidaten habe ich bisher nichts gesehen. (Jemand von Euch vielleicht?)

Marcel Hövelmann verzichtet auf Plakate. Er will mit seinen Inhalten hausieren gehen und hat sich deshalb ein Wahlkampfbudgetchen von 100€ gegeben.

In den Kostenkalkulationen der anderen Kandidaten ist Plakatwerbung ein dicker Posten. Die professionellen Fotos sind oft schon vor dem Programm entwickelt. Kandidaten und Parteien versprechen sich, die Bekanntheit der Protagonisten zu steigern in dem ihre Gesichter zeitweise ins Stadtbild integriert werden. Um Inhalte geht es traditionell nicht.

Plakatsprüche wie

„Von der Kita bis in die Ausbildung: In unsere Zukunft investieren“

oder  „Ich setze gute Ideen um“ könnte von jedem Kandidaten sein.

Bin mir unsicher, wie ein PR-Experte für die BILD-ZEITUNG zu seiner Analyse kam: „Otts Parolen sind meinungsstärker formuliert.“ Wahrscheinlich muss man PR-Experte sein, um die Plakate der anderen PR-Experten zu verstehen. Anders lassen sich seine Einschätzungen nicht erklären. „Ott kommt als Bewerber rüber, der vielseitige Probleme angehen könnte.“ „Henriette Reker wirkt damenhaft, weich und offen.“

Machen wir uns nichts vor: Inhalte, im Sinne von Substanz, passen nicht auf ein A2 Plakat. Informationen und Programme lassen sich nicht auf ein Foto reduzieren. Zeiten in denen ein Plakat eine Partei in ein klar umrissenes politisches Lager zuordnet, hat meine Generation nicht miterlebt. Die Sätze sind so beliebig und austauschbar wie die Lyrics von Helene Fischer Songs. Ihre Sätze reimen sich immerhin und setzen sich deswegen –freiwillig oder nicht- tief in unseren Köpfen fest. Bis ein neuer Tag erwacht.

Einzig die Ankündigung der Wahlen auf den Plakaten ist wichtige Funktion der Demokratie. Erst wenn sie sich in der Open Air Plakat-Galerie wieder finden, merken Bürger, dass Wahlen anstehen. Doch durch die Brille der Politikverdrossenheit sehen alle Plakate gleich aus. Die Botschaften sind verschwommen.
Warum kann man Wahlplakate nicht von Parteibotschaften abkoppeln und schlichte Ankündigungen in der ganzen Stadt platzieren? Schwarz auf Weiß: „OBacht! Wir wählen“ „OB-Wahlen in Köln. Informier Dich!“

*UPDATE* (12.08.)

Die Partei DIE PARTEI setzt auf Minimalismus. Es gibt keine eigenen, sondern eine Ergänzung zu Jochen Otts Wahlplakaten.

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