Jochen Ott, OB-Wahlkampf
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Ohne Programm

Schon im Vorspiel des OB-Wahlkampfes werkelte der SPD-Mann mit Wording und Storytelling an seinem Bild als profilstärkster Kandidat.

Die Kölner müssen zwischen einem Profil und einem Phantom entscheiden.

Wir brauchen einen Oberbürgermeister, der klare Ziele vorgeben kann „

Köln braucht keine Worthülsen und Allgemeinplätze

Ich wünsche mir sehr, dass die Menschen am Wahltag wissen, wen sie wählen und welches Programm ein Kandidat hat. Und zwar nicht an der Oberfläche, sondern ganz konkret.“

Jetzt die Frage: Wo ist Otts Programm?

Auf der ASTA Podiumsdiskussion habe ich Ott diese Frage gestellt. Er antwortete, dass das SPD Programm zur Kommunalwahl 2014 sein Programm sei. Als ich entgegnete, dass er also kein eigenes OB-Programm habe, reagierte er gereizt. Auch bei der dritten Nachfrage kam er nicht aus seiner Komfortzone heraus und nannte die vier -im weitesten Sinne programmatischen- Absätze auf seiner Homepage, sowie das SPD-Kommunalprogramm, die „Basis“ seines Programms.

Bedenkt man, dass die Kommunalwahl im Mai des vergangenen Jahres war und jenes Programm vor 1,5 Jahren am 15.02.2014 von der SPD Köln verabschiedet wurde, reicht das nicht.
Das Programm entstand selbstredend mit viel Zutun des Vorsitzenden der Kölner SPD. Doch konnte er zu diesem Zeitpunkt nur hoffen, dass er ein Jahr später zum OB-Kandidaten gekürt werde. Gewissheit hatte er nicht. Außerdem kannte Ott, wie alle anderen auch, erst nach der Kommunalwahl die Stimmenverteilung im Rat (seit Neuestem übrigens ganz genau).
In den letzten 18 Monaten ist zu viel passiert, als dass man sich ein altes Kommunalwahl-Programm zu Eigen machen könnte. Etwa die Flüchtlingssituation, Pegida, und HoGeSa am Kölner Hauptbahnhof als Beispiele.

Die Oberbürgermeisterwahl ist eine Personenwahl und verlangt ein persönliches Wahlprogramm, das die Handschrift des Kandidaten trägt. Der amtierende Bürgermeister Jürgen Roters warb 2009 mit einem eigenen Programm (3000 Wörter) obwohl die OB-Wahl am selben Tag wie die Kommunalwahl stattfand. Otts Mission hingegen passt in vier Blöcke: („Familiäres Köln“, „Kreatives Köln“, „Wachsendes Köln“, „Soziales Köln“) mit insgesamt 350 Wörtern.
Diese Aufteilung ermöglicht zwar einen leichten Einstieg, doch hinter jedem Info-Kasten verbirgt sich nur ein Absatz und schon hundertmal gehörter Sätze wie: „Unsere Stadt soll Familien entlasten, sodass sie mehr Zeit miteinander verbringen können“ und keine konkreten Forderungen.Die Teaser klingen zweifelsohne gut: „Künstler brauchen Freiräume, Partys sollen gefeiert werden können und wer etwas gründen will, soll es möglichst unbürokratisch und einfach haben.“ Aber Ott bleibt an der Oberfläche der Teflon-Sprache, die wir alle so satt haben.
Ott muss schnellstmöglich ein Programm vorlegen. Er sollte sich durch konkrete Pläne von seiner Gegenkandidatin unterscheidbar machen und nicht durch Storytelling. Mit vier Absätzen ist er aktuell das Phantom in diesem Wahlkampf.

*UPDATE*

Zwei Tage nach dem Wahlforum des Asta, postete Ott diese Antwort auf die Frage nach seinem Programm:

Jochen Ott kommentiert Programm

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