OB-Wahlkampf
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Information oder Self Fulfilling Prophecy?

Infratest dimap bestätigt per Twitter, dass es eine Wahlumfrage in Köln geben wird

Heute Morgen bestätigten die Meinungsforscher von Infratest dimap via Twitter, dass es eine Wahlumfrage zur OB-Wahl in Köln geben wird. Die Ergebnisse werden den Ausgang dieser Wahl beeinflussen.

Wahlumfragen haben einen Einfluss auf uns. Die Forschung tut sich schwer diesen Einfluss umfassend zu bestätigen. Es ist schwer Einfluss zu messen, die Forschungsergebnisse widersprechen sich regelmäßig. Könnte man diesen Einfluss vollends nachweisen, müsste außerdem die Veröffentlichung von Umfragen verboten werden. Wer will sich schon dieser Diskussion stellen?

Special Effects der Wahlumfrage

Auch wenn sie den Einfluss an sich nicht bestätigt, benennt die Forschung verschiedene theoretische Effekte, die wie Filme mit Ashton Kutcher klingen: Z.B. der „Bandwagon-Effekt“. Das ist der Mitläufer-Effekt für alle die gerne den Sieger wählen (Union 42% olé). Das Gegenteil ist der mitleidige „Underdog-Effekt“, der im besten Fall eine Leihstimmen-Party auslöst und im Zweifel schon mal die FDP in den Niedersächsischen Landtag schmuggelt.

Eine dritte Wirkung wird „Fallbeil-Effekt“ genannt. Das ist der Moment in dem sich das Schicksal einer kleinen Partei entlädt. Denn der Wähler ist, zumindest im Modell, rational. Er will seine Stimme nicht verschwenden und wählt deswegen einen Kandidaten/eine Partei, die eine realistische Chance hat zu gewinnen, bzw ins Parlament zu kommen. Eine einzige Wahlumfrage kann dieses Phänomen aufheben. Sobald ein Nischen-Wähler erwartet, dass genug andere auch für seine Nische wählen, verpufft der Fallbeil-Effekt, als hätte ein Türsteher vor dem Parlament plötzlich seine Meinung geändert.

Erlebt haben wir diesen Effekt z.B. bei der jungen Piratenpartei. Im Vorfeld der Berlin-Wahl hatten sie in den Umfragen einen eigenen Balken, die Teilnehmerurkunde des politischen Haifischbeckens. Ein Grund, neben 13 anderen, warum die Piraten jetzt unterhalb der Wahrnehmungsgrenze in vier Landesparlamenten sitzen, ist der fehlende Balken. (Ausnahme manchmal Berlin).

Der Einfluss von Umfragen wächst je weniger Parteibindung und mehr Wechselwähler es gibt. Außerdem konnten Meinungsforscher vor 20 Jahren den loyalen Stammwähler bequem nach Feierabend am Festnetz-Telefon befragen. Heute ist es kaum möglich den modernen Wähler abzufangen. Meine Generation ist über nur noch übers Handy zu erreichen. Datenschutz-Fans wird man nie an die Strippe kriegen. Die Umfrage-Institute verraten nicht, wie viele Leute sie nicht erreichen konnten oder sich nicht äußern wollten.

Nicht nur dieser Autor der Bundeszentrale für politische Bildung schlussfolgert, dass sich die einzelnen Effekte gegenseitig aufheben und der Einfluss einer Wahlumfrage deswegen gering sei. Jetzt wird aus zweimal Unrecht plötzlich Recht?

Einfluss der Wahlumfrage auf Köln

Stellen wir uns folgendes Szenario vor: Die Umfrage wird am Freitag veröffentlicht und Dr. Mark Benecke liegt mit 30% auf gleicher Höhe mit Ott und Reker. Die Nachricht würde sich schneller in Köln verbreiten als ein Rewe eröffnet und viral steil gehen. Auch der letzte Protestwähler wird mobilisiert wenn er eine Chance (t)wittert, den etablierten Kandidaten so richtig eins auszuwischen.

Dr. Made würde ab diesem Moment damokles-schwertmäßig über Reker und Ott abhängen.
Die Veröffentlichung der Umfrage am Freitag hat also die Kraft eine Überraschung zu ermöglichen, die in die Annalen der Domstadt eingehen würde. Damit nicht genug: DIE PARTEI bekäme augenblicklich deutschlandweite Aufmerksamkeit, die Währung der kleinen Parteien.

Die Umfragen bedienen nicht unser Bedürfnis nach Information sondern unsere Neugier. Hilfreich ist die Umfrage nur für die Wahlkampfteams von Reker und Ott. Die kämpfen bisher in einem luftleeren Raum. Während des Wahlkampfs haben sie nur eine verzerrte Wahrnehmung, die vermeintliche Objektivität kommt erst durch die Wahlumfrage.

Sicher ist: Der Kandidat, der am Freitag die Umfrage anführt bekommt von Infratest dimap und WDR einen großen psychologischen Vorteil mitgeliefert. Die Stimmung und Motivation im Top-Team wird durch die Umfrage so richtig angeheizt. Ich bin gegen Wahlumfragen vor Wahlen.

3 Kommentare

  1. Liebe Helena,

    ich möchte Dir ein Angebot machen:

    Ich lasse auf meine Kosten 1000 Musterwahlzettel ausdrucken und wir schauen, dass wir 10 Helfer an der wissensdurstigen Universität rekrutieren. Anschließend drücken wir an roten Ampeln an Verkehrsknotenpunkten der Stadt jeden 7. stehengebliebenen einen Wahlzettel und Stift in die Hand und bitten um ein Kreuzchen und drehen uns um, bis die Ampel grün wird. Anschließend kommt der Zettel in eine Urne. Das Ergebnis würde ich gerne mit der Infratest-Umfrage vergleichen.

    Vielleicht bekommen wir etwas auch über den Effekt des Wahlzettels heraus, wenn wir einen alternativen runden Wahlzettel erstellen, wo die Kreuzchen am Rand sind. Dann ist es Zufall, wer als Erstes wahrgenommen wird. Eine andere Frage ist, ob in Altersheimen schon Verwirrung aufgetreten ist, und ob es schon tendenziöse Hilfen der Mitarbeiter bei der Briefwahl gibt. Also Antworten, wie Frau Reker wäre die Kandidatin der CDU, wenn die Frage nach der CDU auf dem Wahlzettel kommt? Könntest Du Dir vorstellen, für Dein Blog ein Team von Wahlbeobachtern zu rekrutieren? Gerade wo bei der letzten Wahl wohl falsch ausgezählt wurde?

    Liebe Grüße
    Indy

  2. Liebe Helena,

    ich würde sogar noch einmal 1000 Stimmzettel ausdrucken, und dann die Parteinamen etwas kleiner schreiben und schauen, ob es ein statistisch messbares Ergebnis gibt. Hier würde ich jeden zweiten Zettel mit kleinerer Schriftgröße ausdrucken und wie ein Kartenspiel interleaving mischen. Anschließend würde ich schauen, ob es messbaren Unterschied gibt. Ich möchte aber darauf Hinweisen, dass es sich um ein psychologisches Experiment handelt. Die Reproduzierbarkeit der Paper wird derzeit kontroverst diskutiert: http://www.sciencemag.org/content/349/6251/aac4716 . Tja, und am Ende wird ein vereidigter Gerichtssachverständige – Psychologe oder Kriminalstatistiker vom Gericht berufen und der Entscheidet, ob die Wahl annuliert wird. Und vielleicht können wir ja etwas Zeugengeld bekommen, wenn unsere Auswertung anerkannt wird.

    Liebe Grüße
    Indy

    Etwas satirische Nachtragsmeinung: Wenn die Wahl von einem Gericht kassiert wird, dann frage ich mich, für wie mündig wir Bürger überhaupt noch gehalten werden? Und ob Frau Reker so lange klagen wird, bis das richtige Ergebnis in ihrem Sinne verkündet wird. Schon allein die Tatsache, dass hier in Köln so viel über verschiedene Rechtszüge taktiert wird, ist der demokratischen Kultur nicht gerade zuträglich.

    Ich würde sagen, dass sich die Stadt bei einer Anfrage von Marcel Hövelmann überhaupt nicht bewegt hätte. Sie hätte sich sicherlich auch nicht bei einer Anfrage durch Herrn Petelkau bewegt. Mich würde interessieren, ob Frau Reker sich mit ihrem Diensttelefon über das Layout der Stimmzettel beschwert hat und als Ranghöhere ihren Einfluss in der Verwaltung genutzt hat, spdass ein Prüfauftrag an die Bezirksregierung erfolgt ist. Al begründung für die vorherige Annahme: Sie hat sich bei Ihrer Antwort zu deiner Frage über die Abgabe von Canabis aus biologischem Anbau auch auf das Gesundheitsamt berufen, das sie selber angerufen hätte. Und nach Prüfung von Wind und Fahne am Aachener Weiher (opportunistisch) eine kontrollierte Abgabe ab 21 Jahren in Aussicht gestellt. Das hätte sie bei einer Veranstaltung der Seniorenunion nicht von sich gegeben 😉 . Im Kopf hatte sie sicherlich, dass eine Mehrheit der jungen Menschen eine liberalere Haltung über die Abgabe von Canabis goutieren. Das ist ein statistischer Trick um Applaus zu erhaschen, der erlaubt ist, solange der Opportunismus nicht auffällt.

    Sie hat gegenüber Frau Sabine Neumeyer den Vorteil, dass sie die Dezernentinnentätigkeit und die Bewerbung zur Oberbürgermeisterin in ungeahnter Weise kombinieren kann. Sie hat Zugang zu Herrschaftswissen, wie die Strafanzeige gegen ihren Chef zeigt. Von statistischer Chancengleichheit sollte gerade Frau Reker gar nicht anfangen zu sprechen, wo doch ihr Chef sogar die Hünerhaugen zu Zeiten einer humanitären Krise zudrückt. Urlaub in der Krise: Jeden anderen Parteipolitiker hätte die Presse schon zerfetzt. +++ Ende der Nachtragsmeinung.

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