OB-Wahlkampf
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Was ist Negative Campaigning?

Die Forschung benutzt unterschiedliche Definitionen. Wer die wissenschaftlichen Artikel zu dem Thema nicht gelesen hat, versteht unter Negative Campaigning Maßnahmen, die den politischen Gegner schlecht machen und negativ darstellen. Die Maßnahmen unterscheiden sich in Intensität und Ausführung: Bei negativer vergleichender Werbung zum Beispiel, präsentiert ein Kandidat seine eigene Meinung zu einem Thema als positiv, die gegnerische als negativ. Dabei stellt sich immer die Frage, ob es sich um einen einmaligen unfairen Move im Wahlkampf handelt oder ob eine Attacke-Strategie gefahren wird.

Populäre Beispiele letzterer Art von Maßnahmen kommen aus den USA. Jedes Detail der Persönlichkeit kann negativ ausgelegt werden. Offensichtlich auch Sprachtalent:
In den republikanischen Vorwahlen 2012 veröffentlichte Newt Gingrich ein Video, das Rivale und Parteifreund Mitt Romney als Opportunist darstellt und mit dem Satz endet: „And just like John Kerry he speaks French, too“

Politiker benutzen Negative Campaigning nicht, weil sie gemein sind, sondern weil sie denken, es helfe ihnen bei der Wahl besser abzuschneiden.

Der Nachrichtenfaktor Negativität erhöht die Aufmerksamkeit, deswegen stehen Online- wie Offline-Medien so auf negative Wahlkämpfe. Auch in Köln haben insbesondere zwei Zeitungen ein starkes Interesse an negativen Wahlkampfschlagzeilen. Klickzaheln olé.

Deshalb beobachten wir vor allem eine Ausprägung des negativen Wahlkampfes: Indirekt, über die Medien verbreitet und inklusive kostenloser Schlagzeilen. Die Darstellungen und Auswirkungen lassen sich nicht gut planen, Negative Campaigning ist mit Risiko behaftet. So hat Daniel Schmücking in seiner Dissertation einen Solidarisierungseffekt ausgemacht, nachdem Wähler den Angegriffenen nach einer Attacke positiver bewerteten.

Mit dem Aussterben des loyalen Stammwählers wird negativer Wahlkampf für Strategen interessanter. Sie wollen Wechselwähler und Spät-Entscheider so vom gegnerischen Kandidaten fernhalten. Das Problem: Sie halten Bürger von der Wahl fern. Das sagt zumindest der Harvard-Professor Stephen Ansolabehere, der bereits 1994 Hinweise für sinkende Wahlbeteiligung als Rektion auf Negative Campaigning fand:

Andere Wissenschaftler beobachteten, dass die Wahlbeteiligung stieg. William Mayer findet Negative Campaigning sogar wichtig, wenn es die Wähler mit wertvollen Informationen versorgt, die sie für ihre Entscheidung brauchen.

Der Wahlkampf in Köln
…begann mit unnötigen aber harmlosen Attäckchen:

Henriette Reker nannte Jochen Otts Nominierung eine „Second-Hand-Kandidatur“

Zuvor hatte Ott Reker ein „Phantom“ genannt.

Beide Metaphern waren lediglich Halbsätze, eingebettet in lange Interviews. Dennoch machten die jeweiligen Redakteure diese Halbsätze zur Überschrift der Artikel. Die Kandidaten wissen vorher, dass das passieren wird. „Phantom“ und „Second-Class-Kandidatur“ können wir getrost unter unnötiger Muskelshow vor der heißen Wahlkampfphase abheften.
Seitdem haben jedoch zwei Boulevard-Medien wiederholt versucht, Plattform für unsachlichen und unfairen Wahlkampf zu sein. Einmal ging es um Ott, im aktuellen Fall um Reker. Vielleicht liegt es auch an der gefühlten thematischen Langeweile in diesem Wahlkampf, dass größer und ausführlicher über solche Aspekte berichtet wird, als über die autofreie Zülpicher Straße.

Mich nervt jedenfalls, dass Unterstützer beider Seiten diese vom Boulevard hochgespülten Aussagen auf Facebook und Twitter pushen und dabei teils unparlamentarische Hashtags erfinden.

Der, dessen Partei ohne Sünde ist, setze den ersten Tweet ab.

Der nächste Skandal wird kommen. Dann tauschen die Rollen wieder. Das ist kein Wahlkampf, das ist „Blöde Kuh“- „Selber“. Für die Aufklärung und Einordnung solcher Fälle kann der sogenannte Qualitätsjournalismus in die Pflicht genommen werden und nicht der politische Gegner.

Negative Campaigning Funfact:

Das berühmteste Beispiel einer negativen Attacke aus dem letzten Bundestagswahlkampf ist der Veggieday der Grünen. Wir erinnern uns: Snowden enthüllte die Überwachungsmethoden der NSA, in Europa tobte die Finanzkrise und in Deutschland stritten wir über die Initiative eines fleischlosen Tags in Kantinen.
Mutmaßlich initiiert wurde diese Mediale Kampagne von der CDU. Auf den fahrenden Geisterzug aufgesprungen ist vor allem die FDP: Zum Beispiel mit dem Wording „Öko-Diktatur“  und einem Nazi-Propaganda-Plakat mit dem Slogan „Eßt Vollkornbrot“  und eingefügtem Grünenlogo. Es gibt keine wissenschaftlichen Ergebnisse über den Einfluss des negativen Wahlkampfes an der Stelle. Tatsache ist,  die FDP sitzt nicht mehr im Bundestag.

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